Das sagt die Denkmalschützerin

Wir haben die zuständige Denkmalpflegerin, Katja Laupert von der Kreisverwaltung des Rhein-Lahn-Kreises, untere Denkmalschutzbehörde, um eine Stellungnahme zum Häusener Kran gebeten. Hier ihr eindringlicher Appell

Ein Kulturgut, das dem Ortsbild von St. Goarshausen eine besondere Nuance verleiht

„Der denkmalgeschützte Häusener Kran, der sich im Bereich des Welterbes Oberes Mittelrheintal befindet, wird momentan von vielen nur als unliebsames Überbleibsel aus der Vergangenheit gesehen. Nur wenige begreifen den eigentlichen Wert dieses technischen Denkmals. Denn es ist nicht nur eine industrielle Anlage, sondern auch ein Teil der gewachsenen Baukultur. Es ist kein klassisches Objekt des Bauens, doch ein klassisches Objekt der Denkmalpflege, ein Kulturgut, das dem Ortsbild von St. Goarshausen eine besondere Nuance verleiht. Anders als die kleinteiligen Häuser an der Rheinfront, die stolz thronende Burg Katz und der mächtige Fels der Loreley. Seine filigrane, leichte und vielleicht auch etwas nüchterne Gestaltung zeugt von einer ganz anderen, aber besonderen Ausstrahlung und Wirkung.

Historische Aufnahme des Krans bei Hochwasser

Der Häusener Kran bei Hochwasser. Foto: Stadtarchiv Sankt Goarshausen

Der Kran war ein entscheidendes Element in einer Kette der Versorgung des Rhein- aber auch Hinterlandes. Ohne ihn hätte man sämtliche Güter, die mit den Schiffen in St. Goarshausen angelegt haben, nicht auf die Eisenbahn und später auf die Lastwagen verteilen können.
Der Kran ist als ein bedeutender Bestandteil der Denkmalkultur des Rhein-Lahn-Kreises anzusehen. Doch was ist Denkmalkultur? Sie ist ein Zusammenspiel vom Bewahren alter Dinge und dem Zuführen in die heutige Zeit, sie nachhaltig und auch anspruchsvoll zu gestalten. Und mit ihr und unserer gebauten Umwelt verantwortungsvoll umzugehen.
Doch das Problem liegt darin, dass es kaum noch Wertschätzung und Identifikation für Objekt wie den Häusener Kran und auch andere gibt, die mit dem Erhalt unseres kulturellen Erbes eigentlich verankert sind.

Es kann nur dort eine mit Leben erfüllte Kulturlandschaft geben, wo ein Dialog mit Vergangenem und Zukünftigem stattfindet

Doch dieser Dialog ist nur schwer zu führen, denn viele Menschen haben in solchen Fragen nur eine wenig ausgeprägte kulturelle Bildung, einen ungeschulten Blick für das diffizile, besonders wenn es um Fragen der Architektur, den Städtebau und besonders die Denkmalpflege geht. Und dieses Defizit ist an vielen, zu vielen, Orten zu beobachten.
Die Diskussionen der letzten Jahre um ein „Für und Wider“ des Krans, zeigt uns wie ein Spiegel, wie wir mit unserer Umwelt, unserer Kultur umgehen.
Der Bildungs- und Informationswert des Krans und somit unserer überkommenden Kultur, mit ihrer unverwechselbaren Gestaltung der Stadt, das parallele Erfahren, ein Sehen und Begreifen, ist nicht gleichzusetzen z.B. mit einer Gedenktafel, über das was mal war.

Denkmalobjekte steigern die Qualität eines jeden Ortes

Sie bereichern die Länder und Gemeinden. Sie fördern den Tourismus, die Freizeitgestaltung, die Erholung. Solange sie von den Verantwortlichen einigermaßen gepflegt werden.
Oft bekommt man das Gefühl, dass der Gesellschaft das Gespür für kulturhistorische, künstlerische und handwerkliche Qualitäten und Werte abhanden gekommen ist und damit eine dem Geist verwurzelte Kraft fehlt, diesem andauernd drohenden Verlust unserer Kultur entgegen zu wirken.
Denn der drohende Verlust von solchen Objekten, hervorgerufen durch Gedankenlosigkeit, Ignoranz, Dessinteresse und Gleichgültigkeit unserer gebauten Umwelt gegenüber, also ein fortgeschrittener Verarmungsprozess, führen dazu, dass ein Stadtbild wie St. Goarshausen ein Teil seines Gesichtes, seiner Authentizität und seiner abwechslungsreichen Geschichte zu verlieren droht.
Man schafft keine städtebauliche Qualität, indem man einem historischen Ort einem Teil seiner Kultur nimmt und diesen durch einen 0815 Campingplatz ersetzt. Der Häusener Kran ist ein wichtiger Teil der Summe aller historischen Objekte, die St. Goarshausen in seiner Historie zu bieten hat.
Heutzutage sollte es keine Zweifel darüber geben, dass auch Elemente des beginnenden 20. Jahrhunderts, aufgrund ihrer stadt,- entwicklungs- und sozialgeschichtlichen Bedeutung als kulturgeschichtliche Epoche den gleichen Anspruch auf Schutz und Pflege hat, wie vorangegangene kunstgeschichtliche Perioden.
Eine Stadt besitzt mit verschiedensten Kulturobjekten und Markierungen auch einen vielfach höheren Erlebniswert und die damit verbundene Identifikation, sie stellt sich als menschliche und vielfältige Stadt dar.
Wir alle müssen uns für das gemeinsame Erbe einsetzen, denn ohne Denkmäler gibt es keine Identität, keine Attraktivität für unsere Städte, kein Erhalten wichtiger Werte.
Der Erhalt des Krans ist ein wichtiges Element gegen das viel zu schnelle Vergessen, gegen die Geschichtslosigkeit, die nicht nur hier immer mehr zu finden ist.
Auch wenn man auf Unverständnis stößt, regelrecht beschimpft wird, ist es ganz besonders wichtig, sich für Denkmäler einzusetzen, die von einem Teil der Bevölkerung und den politisch Verantwortlichen nicht in ihrer Bedeutung erkannt werden. Die Baukultur muss wieder einen wichtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommen.

Geschichte ist nicht wiederholbar, jedes Baudenkmal was abgerissen wird, ist als Zeugnis für alle Zeit verloren

Deshalb haben wir alle die Pflicht, uns mit den Objekten und deren Erhaltung auseinanderzusetzen. Denn solche Objekte wie der Kran gehören nicht auf den Müll, wo sowieso schon viel zu viel gedankenlos entsorgt wurde und wird, sondern er ist als Geschichtszeugnis am Leben zu erhalten.
Ich hoffe, dass die Verantwortlichen endlich begreifen, dass ein Objekt wie der Häusener Kran ein ebenso wichtiges und bedeutendes Denkmal ist. Vielleicht braucht es noch Zeit zum Wachsen und Reifen in den Köpfen. Als Bespiel sei hier nur der Bohrturm in Bad Ems zu nennen, der ein ähnliches Schicksal hatte und nun frisch saniert, ein neues Wahrzeichen der Stadt geworden ist.“